24 Stunden Lauf


Nach dem Halbmarathon vor 5 Tagen, hatte ich etwas Zeit meine doch etwas strapazierten Muskeln zu lockern. Drei Abende habe ich mir, vor dem "Event" , mit lockeren Läufen, so um eine Stunde, auf dem Laufband gegönnt. Die Ernährung stellte ich ab Mitte der Woche zur Hälfte auf flüssige Nahrung um.
Magnesium, Mineralstoffe und Vitamine waren fester Bestandteil meiner Ernährung. Ich trank vor diesem Ereignis einiges mehr als sonst. Ca. 4 Liter Flüssigkeit am Tag mußten schon sein!
Die Nacht von Donnerstag auf Freitag ging ich früher als sonst zu Bett. Um 23:00 Uhr schlief ich unter etwas Anspannung ein, um um 7:00 Uhr pünktlich in meinem Ladengeschäft zu sein. Irgendwie war mir zu diesem Zeitpunkt gar nicht so richtig klar, was ich da eigentlich vorhabe. Nach Arbeit und leichtem Mittagessen schloß ich um 13:30 Uhr das Ladengeschäft auf, um kurz drauf um 14:00 Uhr mit dem Motorrad nach Singen zu fahren.

Vor dem Intersport Schweizer angekommen, war das Team von TAO- Running und Intersport Schweizer gerade dabei, das Zelt und die Laufbänder aufzubauen. Ich fing an mich umzuziehen und erhielt von TAO eine sehr bequeme Hose und ein Funktion-Shirt. Nach 20 Minuten Stretching ging ich um 16:00 Uhr auf das Laufband mit dem Ziel 24 Stunden durch zu laufen. Das erste Laufband ein " Nordisch Walking Band" war sehr bequem zu laufen, es hatte eine Holzunterlage und somit einen guten Federungskomfort. Fit und motiviert startete ich mit einer Geschwindigkeit von 5.5 km/h. Diese Geschwindigkeit war eine schnelle Laufgeschwindigkeit bzw. ein langsames Joggen.
Das wichtigste um die 24 Stunden durchzuhalten war eine vernünftige Einteilung  der Zeit.

Die erste Stunde war etwas Aktion angesagt denn das Stromnetz brach 2 mal zusammen. Das Luftzelt stürzte ein und das Band stand. So hatte ich am Anfang schon 2 ungewollte Pausen.

Um 17:00 Uhr machte ich eine 7.5 min. dauernde Pause. Diese Pause jede Stunde nutzte ich um auf die Toilette zu gehen, mich zu stretchen und massieren, Kleidung zu wechseln und Nahrung zu mir zu nehmen.

Auch in der 2 Stunde musste ich noch einmal unfreiwillig vom Band wegen Stromausfall. Aber die 3 min.  Pause waren gleich vorüber und mit 5.5 km/h ging es weiter.

Pro Stunde nahm ich ca. einen Liter Flüssigkeit zu mir. Die Flüssigkeit bestand aus einem Isotonischen Getränk von der Firma Intersport Schweizer (Xeno Fit) und einer Kohlenhydrat- und Vitamin Mischung von der Firma Trekking Mahlzeiten.

Ca. 50 % der Flüssigkeit verarbeitete mein Körper, den Rest musste ich ca. jede Stunde ausscheiden. Flüssigkeit war ein wichtiger Faktor um die Muskeln mit Sauerstoff zu versorgen.

Schon in der zweiten Stunde merkte ich das rechte Knie und das Sprunggelenk links. Mein Kreislauf dagegen war stabil. Die Herzfrequenz lag bei 98. Mir ging es gut!

Von 19:00 bis 20:00 Uhr nahm ich während des Laufes flüssiges Essen (Peronin) zu mir. Da ich sehr schnell trank, merkt mein Magen kurz etwas und drückte. Ich war aber voll Einsatzfähig und lief ohne Belastung weiter.

Durch das Singener Stadtfest war sehr viel los und Langeweile kam erst gar nicht auf. Viele Zaungäste kamen vorbei. Eine beliebte Frage war, "was ich dafür bekomme hier 24 Stunden zu laufen". Die meisten konnten es gar nicht glauben, dass ich es freiwillig und kostenlos für die Kinderkrebshilfe mache.
Bis 24 Uhr lief ich mit 5.5 km/h. Die Gelenke schmerzten und die gut mit Klebeband abgebundenen Füße fingen  an weh zu tun.
Also ging es mit etwas langsameren Tempo durch die Nacht. Mit 5.0 km/h lief ich dem Morgen entgegen.

Einen Fernseher und sonstige Abwechslung brauchete ich nicht. Es war genügend los in Singen. Polizei und flüchtende Jugendliche trugen zu meiner Unterhaltung bei. Auch der ein oder andere Betrunkene, welcher mir ein Gespräch reindrückt, lies die Zeit schnell vorüber gehen.

Auch die anderen Laufbänder waren fast ständig belegt. Leider war die Zahl von 4 auf 3 Bänder gesunken.
Mein Lieblingsband hatte den Geist aufgegeben. Nach dem zweiten Band, was auch schon Ausfallerscheinungen zeigt, habe ich  meines für den Rest des Laufes gefunden. Ein bockelhartes aber sehr robustes Laufband von Schwinn.

Lustig war es so gegen 2:00 Uhr als  eine Mitläuferin mit Stöckelschuhen u. etwas Übergewicht, trotzdem Bauchfrei, tatsächlich eine Stunde auf dem Laufband zu Gange war.Vermutlich war der Alkohol eher  der Auslöser als der Sportsgeist - aber der Wille zählt!
Alle anderen Mitläufer motivierten mich und fanden das was ich hier mache eine tolle Idee war. Es waren super Athleten auf den Laufbändern mit denen ich nie mithalten könnte. Jeder zeigte Achtung vor meiner Leistung. Auf diesem Wege meinen Kollegen "vielen Dank".
Auch Frau Petra Schweizer, welche sich hervorragend um mich kümmerte und mir um 3 Uhr wärmende Handschuhe brachte - vielen Dank.
Um 5:00 Uhr fiel ich ein kleines Leistungsloch, die Gelenke und Muskeln schmerzen so stark, dass ich mit der Geschwindigkeit auf 4.0 km/h runter gehen musste.

Um 6:00 Uhr wurde es hell und die Singener Müllabfuhr war im vollem Gange. Mit mehreren Einsatzkräften machten sie klar Schiff. Drei Einsatzwagen kurvten ständig hin und her. Das System war mir zwar nicht ganz klar, aber die Stadt war wieder sauber.

Um 7:00 Uhr morgens, schraubte ich die Geschwindigkeit höher auf 5.0 km/h. Da meine Gelenke aber stark schmerzten, ging ich um  8:00 Uhr wieder auf die 4.5 km/h zurück. Der Morgen war sehr ruhig und teilweise war ich alleine, die anderen Laufbänder waren leer. Erst um 10:00 Uhr füllt sich die Stadt.
Das muntere Treiben schaffte Abwechslung. Viele nette Menschen kamen vorbei, "Sie sind doch gestern schon gelaufen" ?

Ab 10:00 Uhr fing ich an rückwärts zu zählen: " nur noch 6 Stunden, ich bin im letzten drittel".
Die Sonne schien, es wurde heiß- Ich tauschte die lange Hose  gegen die kurze TAO-Laufhose. Um 14:00 Uhr gab es wieder flüssiges Essen und dann Endspurt.

Viele Fans hielten mir die Stange. Ich wusste ich kann es schaffen. Jetzt nur nicht übertreiben. Eigentlich wollte ich schneller laufen, aber wenn jetzt noch etwas an meinem Körper ausfällt - erreiche ich das Ziel nicht. Umsonst wäre das nicht gewesen, den schließlich habe ich mit meinen Kilometern Geld für die deutsche Kinderkrebshilfe eingelaufen.
Um 15:00 zog ich an. Mit 5.5 km/h kam ich dem Ziel immer näher - 16:00 Uhr .

Die Menschenmenge wurde größer, das Singener Wochenblatt und das örtliche Fernsehen hatten sich versammelt um mich durch das Ziel laufen zu sehen. Ich kam mir richtig wichtig vor und war hochmotiviert, ich rannte  die letzten Minuten mit 10 km/h unter der Musik der Singener Guggenmusik:Hontes Singen mit dem Musikstück aus Rocky 1 über das imaginäre Ziel.

Es war für mich ein wundervoller Tag und ich bin überglücklich. Danke an die vielen tollen Menschen, welche dabei waren und an mich glaubten. Klasse, dass durch den Sport so prima Menschen zusammen kommen und etwas gutes Bewirken können.

Das Lachen, die Freude der Menschen über das Erreichte und die Freudentränen meiner Mutter werde ich nie vergessen.

 

Gerry

Facts:

Gelaufene Kilometer ca. 120 auf drei Laufbändern
Nahrung: 3 Bananen, 2 Äpfel, flüssige Nahrung Peronin. 3 Power Bar von Xeno fit
Flüssigkeit: ca. 18 Liter, isotonische Getränke
Kleidung: Running Kleidung von TAO, T- Shirt und Handschuhe Intersport Schweizer
Laufschuhe: Asics
Gewichtsabnahme: 2.5 kg